Wie gut kennst du dich?

Was im Spitzensport schon lange selbstverständlich ist wird derzeit schon für alle populär. Ein neuer Trend aus den USA führt nun auch in Deutschland zu wachsender Begeisterung: die digitale Aufzeichnung und Analyse eigener Befindlichkeiten, um letztendlich das Wohlbefinden zu optimieren.

„Self-Tracking“ oder „Quantified Self“ heißen die Begriffe, die hier verwendet werden, um diese neue Bewegung zu beschreiben. Die Grundidee ist ganz simpel: bestimmte Daten werden notiert und miteinander in Zusammenhang gebracht. Die Erkenntnisse daraus liefern wertvolle Hinweise darüber, wie das aktuelle Wohlbefinden optimiert werden könnte.

So gibt es neben allerlei Sensoren in Kleidung oder Möbelstücken, um Schlafzustände und Befinden aufzeichnen, beispielsweise auch Schuhe, die die tägliche Anzahl der Schritte messen und die Daten direkt an das Smartphone senden. Dort rechnet sie das dazugehörige Programm in konkrete Empfehlungen um. Aus dem Bewegungsprofil werden Ratschläge für eine bessere Haltung abgeleitet oder zu bestimmten Rückenübungen motiviert.

Überhaupt ist Motivation eine der hauptsächliche Triebfedern: wer etwa seine Vitalitätswerte regelmäßig digital aufzeichnen und analysieren lässt, erhält schnell aufschlussreiche Verlaufskurven und damit ein besseres Verständnis für sich selbst. Über bestimmte Programme und Portale sind die Daten immer und überall verfügbar, auf dem Computer ebenso wie mobil über Smartphones oder Tablets. Nichts einfacher als sich schließlich mit Freunden darüber auszutauschen, zu vergleichen und sich letztendlich gegenseitig anzuspornen.

Im Spitzensport gehört es schon lange zum täglichen Brot, Blutwerte, Vitalitätsdaten, Körperfunktionen und Trainingsergebnisse aufzuzeichnen, optimale Trainingsmethoden zu entwickeln, um letztendlich die besten Leistungen zu erzielen. Warum also sollten wir diese grundsätzlich positiven Erkenntnisse nicht auch für den persönlichen Alltag nutzen?

Die Idee der Selbstvermessung ist im Übrigen alles andere als eine Erfindung des Computerzeitalters. Gelehrte wie Goethe oder Leonardo Da Vinci zeichneten bereits vor Jahrhunderten eigene Befindlichkeiten in Tagebüchern und Tabellen auf, um Entwicklungen daraus ableiten zu können. Und viele Heilmethoden wurden erst durch die akribische Sammlung von Daten über den Zustand von Körper und Geist – und den Erkenntnissen daraus – entdeckt.

In naher Zukunft schon wird es möglich sein, dass deine Kleidung deine Vitalfunktionen überprüft, die zugehörigen persönlichen Grenzwerte im Blick behält und gegebenenfalls deinen Arzt über Handy automatisch benachrichtigt. Deine Behandlung wird dadurch schneller und vermutlich effektiver ausfallen, weil alle relevanten Daten bereits rechtzeitig vorhanden sind. Denn nicht die Zahlen alleine sind es, die uns fitter und gesünder machen, sondern die richtigen Schlüsse, die wir daraus ziehen.