Wie gut ist unser Leitungswasser?

In Deutschland gilt das Trinkwasser als besonders sauber. Dennoch steigen die Umsätze von Getränkeherstellern durch den Kauf von Mineralwasser in Flaschen. Ist das Misstrauen in das häusliche Wasser aus dem Hahn begründet oder schlicht und einfach überflüssig?

Wasser ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt. Es ist der Ursprung allen Lebens und unverzichtbar für unseren Stoffwechsel. Es transportiert Nährstoffe durch den Körper, versorgt die Zellen und schleust Giftstoffe wieder hinaus. Ist der Wasserhaushalt gestört, kommt es schnell zu gesundheitlichen Problemen. Umso wichtiger ist ein prüfender Blick auf die Qualität des Wassers, das wir täglich zu uns nehmen.

In der letzten Veröffentlichung des Umweltbundesamtes im Januar 2014 wurde dem deutschen Trinkwasser überall gute bis sehr gute Qualität attestiert. Nur in seltenen Ausnahmefällen sei eine Überschreitung der Grenzwerte für chemische oder mikrobiologische Belastungen beobachtet worden. Genaue Daten können bei jedem örtlichen Wasserwerk erfragt werden und sind meist auch im Internet abrufbar.

Unser Trinkwasser unterliegt der sogenannten Trinkwasserverordnung (TVO) und gilt als das am stärksten kontrollierte Lebensmittel. Regelmäßig wird es auf 55 verschiedene Stoffe überprüft. Dabei werden chemische Stoffe, wie etwa Blei, Kupfer, Zink und Uran gemessen, aber auch Rückstände von Pestiziden. Zudem werden Wasserhärte untersucht und die elektrische Leitfähigkeit, die Aufschluss über die Anzahl der gelösten Stoffe im Wasser gibt. Darüber hinaus wird eine mögliche Belastung durch Krankheitserreger getestet, wobei besonderes Augenmerk auf Coli-Bakterien und neuerdings auch auf Legionellen gelegt wird, die beide gefährliche Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können. Grenzwerte werden so definiert, dass sie für den Menschen gesundheitlich unbedenklich sind.

Was genau allerdings bei Ihnen zuhause aus der Leitung kommt, hängt nicht nur von der Wasseraufbereitung ab, sondern auch von der Qualität der vorhandenen Hausleitungen sowie der Entnahme-Armaturen. Auskunft über den Zustand des hauseigenen Rohrsystems erhält man über den Hausverwalter oder Hauseigentümer. Unabhängig davon sollte man Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung stand, besser abfließen lassen. Es lohnt sich deshalb, den Wasserhahn morgens ein paar Minuten laufen zu lassen, bevor man Glas, Wasserkocher oder Kaffeemaschine füllt. Wird das Wasser kühler, ist es wieder frisch. Wer die Qualität seines Leitungswassers genau kennen möchte, kann es beim örtlichen Gesundheitsamt oder bei einem unabhängigen Labor auf die aktuellen Werte überprüfen lassen. So können hausinterne Verunreinigungen, etwa durch alte Leitungen, leicht identifiziert werden. Manche Werte lassen sich auch mit kostengünstigen Methoden einfach zuhause messen. Teststreifen aus dem Aquaristikbedarf etwa geben Aufschluss über ph-Wert oder Nitratgehalt. Mit einem sogenannten TDS-Gerät kann der Gehalt an gelösten Stoffen im Wasser nachgewiesen werden.

Muss Wasser gefiltert werden?
Auch wenn die Wasserqualität in Deutschland als sehr positiv eingestuft wird, empfiehlt sich mitunter der Einsatz von Wasserfiltern. Vor allem in Bezug auf den Kalk- oder Chlorgehalt sind die Werte regional sehr unterschiedlich. Höhere Werte beeinflussen dabei vor allem auch den Geschmack. Aktivkohlefilter beispielsweise entziehen dem Leitungswasser Kalk und andere Stoffe, sodass Tee und Kaffee einen intensiveren Eigengeschmack erhalten. Darüber hinaus gibt es mittlerweile ein relativ breites Angebot an umfangreicheren Filtermethoden, die sich in Wirkweise, Ergebnis und Preisgestaltung teilweise deutlich unterscheiden.

Ist Mineralwasser in Flaschen gesünder?
Der Griff zur Wasserflasche aus dem Supermarkt als Alternative zum Leitungswasser ist trügerisch und es ist nicht immer so rein wie sein Ruf. Tatsache ist, dass Mineralwasser der Mineralwasserverordnung unterliegt, die im Gegensatz zur Trinkwasserverordnung lediglich 16 Stoffe verbindlich zum Test vorschreibt. Rückstände aus Pestiziden etwa fallen nicht darunter. Hinzu kommen Probleme durch unsachgemäße Lagerung, die zu teilweise massiver Keimbelastung führen kann. Auch die Verwendung von Plastikflaschen wird zunehmend kritisch betrachtet, stehen Sie doch unter Verdacht, unter anderem die gefürchteten Weichmacher ins Wasser abzugeben. Glasflaschen schneiden in Bezug auf Schadstoffbelastungen bei Messungen deutlich besser ab. Wer dennoch den Kauf von Plastikflaschen erwägt, sollte auf Mehrwegflaschen achten, die aus festerem Kunststoff mit einem geringeren Anteil an Weichmachern bestehen.

Weiterführende Links:
www.umweltbundesamt.de
www.umweltbundesamt.de